Konzept und Qualität2018-07-10T08:34:45+00:00
Konzept und Qualität

Konzept und Qualität

Leitgedanken individualpädagogischer Betreuungsangebote

Individualpädagogische Betreuungsangebote haben das Ziel den individuellen Bedürfnissen und komplexen Problemlagen unserer Klienten gerecht zu werden. Kinder, Jugendliche oder behinderte Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht gruppenfähig sind oder „einfach“ ganz besonders intensive Nähe, Zuwendung oder familiäre Nestwärme suchen, die in problematischen Umfeldern leben und deren positive Entwicklung dort gefährdet scheint, bedürfen einer intensiven individualpädagogischen Betreuung, wie sie im Kinder- und Jugendhilfegesetz verankert ist (§§27ff SGB VIII und §41).

Dieser Grundsatz bestimmt auch unser Engagement im Rahmen der Eingliederungshilfen für geistig, seelisch und psychisch behinderte Menschen (§35a SGB VIII / §§53ff SGB XII) und unsere Angebote für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge.

Orientierung am Einzelfall

Mit der Aufnahme in einen geschützten Rahmen wird ein Zugang ermöglicht, der die individuelle Problematik erkennen lässt. Viele Betroffene haben auf Grund ihrer persönlichen Geschichte das Vertrauen zu sich aber auch zu Erwachsenen und anderen unterstützenden Personen in den wesentlichen Grundzügen verloren. Die anfängliche Ablehnung, sich einer solchen Intensivbetreuung zu stellen, oft begründet in der Angst, erneut enttäuscht zu werden, lässt zunächst annehmen, dass die beschriebene Nähe zu bedrohlich wirkt und somit eine Überforderung darstellt. Dem begegnen wir mit einer Grundhaltung, welche geprägt ist durch eine authentische Betreuerpersönlichkeit in Verbindung mit einem hohen Maß an Fachlichkeit, getragen von dem Netzwerk unserer Einrichtung.

 

Die Frage, was für uns Individualpädagogik bedeutet, beantworten wir mit dem Engagement, der Kreativität, der Persönlichkeitsstärke und dem Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen Mitarbeiters. Individuell zu handeln, erfordert zudem die strukturelle Notwendigkeit, vielfältige Ressourcen im Netzwerk der Einrichtung zur Verfügung zu stellen bzw. kontinuierlich weiter zu entwickeln.

 

Alle Jugendhilfemaßnahmen werden durch unsere Koordinatoren und Gruppenleiter intensiv begleitet und beraten. Die Jugendlichen haben in diesem System einen festen und direkten Ansprechpartner auch außerhalb ihrer eigentlichen Betreuungsstelle, der auch unabhängig von Krisen in regelmäßigem Kontakt zu ihnen steht und Kontinuität auch bei notwendigen Wechseln der Betreuungsstellen oder Ortswechseln anbietet. Bei Krisen ist der Koordinator für Mitarbeiter und Jugendliche der erste Ansprechpartner. Alle Koordinatoren sind wiederum in ein Leitungsteam eingebunden, in dem Fallverläufe regelmäßig reflektiert werden. Bei Loyalitätskonfliken zwischen Betreuerberatung und Vertretung für den Jugendlichen kann jederzeit eine Co-Koordination oder die Leitung hinzugezogen werden. Dem gesamten Netzwerk stehen bei Bedarf ausgebildete Kinderschutzfachkräfte zur Verfügung. Externe Supervision unterstützt unsere Teams und die einzelnen Mitarbeiter.

 

Kaspar-X führt seit 1993 individualpädagogische Maßnahmen im In- und Ausland durch. Auf der Grundlage von Qualitätsmerkmalen und Standards für Träger von individualpädagogischen Leistungen der Jugendhilfe werden speziell für den einzelnen Jugendlichen, jungen Erwachsenen und behinderten Menschen ambulante oder stationäre Betreuungssettings eingerichtet oder vorhandene unterstützt.
Als Jugendhilfeeinrichtung verfügen wir über vielfältige Erfahrungen in der Betreuung von verhaltensauffälligen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Rahmen dezentralisierter Betreuungsangebote im In- und Ausland.

 

Auf der Grundlage des SGB XII haben wir darüber hinaus in Einzelvereinbarungen mit dem LVR immer wieder geistig und psychisch behinderte Menschen stationär und ambulant betreut, denen im Rahmen einer regulären gruppenpädagogischen Betreuung kein Angebot gemacht werden konnte. Im Rahmen von Einzelfallentscheidungen führen wir auch Eingliederungshilfen für behinderte Menschen gemäß § 53 SGB XII durch. Das Interesse an einer fachübergreifenden Zusammenarbeit mit unserem Betreuungsansatz beruht vor allem auf den umfassenden Erfahrungen mit verhaltensauffälligen Klienten, für die unser individuell-integrativer Ansatz erhebliche Entwicklungschancen mit sich bringt.

 

Hierbei spielen die persönliche Situation, die Erfahrungen und die Ressourcen des Hilfe suchenden Menschen eine zentrale Rolle.
Die Abstimmung verschiedener Betreuungsintervalle auf den jeweils aktuellen Hilfebedarf bezeichnen wir als

„Orientierung am Einzelfall“

Ein hohes Maß an Flexibilität, Toleranz, Ausdauer und Reflexionsvermögen bestimmt den professionellen Rahmen und bildet die Grundlage dafür, die Hilfe auf jeden Einzelfall sorgfältig abzustimmen und jeweils einen eigenen Entwicklungsraum zu schaffen, der den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen gerecht wird. Die notwendige Balance zwischen Distanz und Nähe wird unterstützt durch den regelmäßigen internen und externen fachlichen Austausch aller Projekte. Bei Bedarf ergänzen externe therapeutische Kräfte den Prozess. Die Arbeit wird kontinuierlich mit den Erkenntnissen und Veränderungen in den Jugendhilfe- und Eingliederungsansätzen reflektiert und weiter entwickelt.

 

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben uns deutlich gezeigt, dass eine individuelle Betreuungsmaßnahme erstaunlich viel Kraft und Mut mobilisieren kann. Entwickelt der Klient erstmals Ausgeglichenheit und Zutrauen zu sich, seinem Betreuer und seinem Umfeld, kann er seinem Bedürfnis nach Geltung und Selbstverwirklichung konstruktiv begegnen und, unterstützt durch positive Identifikationen und ein tragfähiges Beziehungsangebot, seinen persönlichen Lernprozess verfolgen und perspektivisch konkretisieren.

Individualpädagogik ohne Grenzen

Kaspar-X hält nicht nur Betreuungsangebote in unterschiedlichen stationären Wohnformen vor, sondern schafft in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachkräften der Jugendämter oder sonstigen Diensten Lösungen, die dem individuellen pädagogischen und lebenspraktischen Unterstützungsbedarf entsprechen und sich in ihrer Ausgestaltung flexibel an die sich verändernden Bedarfe anpassen. Die Basis für die Tragfähigkeit der Projekte ist die Auswahl geeigneter Betreuerpersönlichkeiten und die Einmaligkeit ihres Angebotes. Durch sie wird die Differenzierung und Weiterentwicklung unserer Betreuungsvarianten ermöglicht. Die Betreuer, deren Familien, die dazugehörige Nachbarschaft, die Wohnungen oder Häuser, aber dann auch der dort integrierte Jugendliche oder behinderte Mensch bilden ein Gesamtsetting, welches sich in Folge als Standort entwickelt und in die Gesamtstrukturen von Kaspar-X eingebunden wird: ein Standort mit Kontinuität und Chancen für weitere Betreuungen, jedoch nur analog zum Ansatz des individuellen Hilfebedarfs. Die kontinuierliche fachliche Begleitung sowie die angeleitete kollegiale Supervision (Teamarbeit), ergänzt durch externe Supervision, bieten den Betreuern die notwendige Vernetzung, um auch in schwierigen Betreuungsphasen sicher zu agieren, das Setting weiter zu entwickeln und Abbruchsrisiken zu minimieren. Die Betreuer der kooperierenden SPLG und Projektstellen durchlaufen einen an ihrem Erfahrungshintergrund orientierten Vorbereitungsprozess, der sicherstellt, dass die zur Verfügung gestellten Ressourcen dem Jugendlichen im Rahmen eines funktionierenden Helfernetzwerk zur Verfügung gestellt werden können. Ergänzende stationäre Angebote wie z.B. das intensiv betreute Wohnen (IBW) orientieren sich an diesen Leitlinien individueller Betreuungsangebote.

Beschwerdemanagment und Partizipation

Seit dem 1.1.2012 ist der neu in das SGB VIII eingefügte §8b (Fachliche Beratung und Begleitung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen) gültig. Dies fordert die Entwicklung von „Verfahren der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an strukturellen Entscheidungen in der Einrichtung sowie zu Beschwerdeverfahren in persönlichen Angelegenheiten.“ Die Grundhaltung als individualpädagogisch orientierte Einrichtung impliziert schon konzeptionell ein hohes Maß an Partizipation, da kleine und sehr persönlich geprägte Betreuungssettings mit ihrem besonderen Beziehungsangeboten eine Beteiligung in sehr direkter Form ermöglichen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass die persönlich geprägten und dezentralisierten Angebote ein Eintreten für die persönlichen Belange (Beschwerde) an der Stelle erschweren kann, wo der/die Jugendliche sich mit seinem Anliegen oder der aktuellen Not alleine fühlt. Dem begegnen wir mit der intensiven Einbindung unserer koordinierenden Mitarbeiter in den Hilfeprozess, so dass dem Jugendlichen jederzeit eine ihm persönlich bekannte Fachkraft zur Seite steht. Darüber hinaus ist jeder Jugendliche in individuelle Strukturen an seinem Standort eingebunden. Über die Arbeit der Betreuungsstellen wird in den kooperierenden Institutionen informiert, die Betreuungsstellen arbeiten vernetzt und transparent. Darüber hinaus wird der/dem Jugendlichen zu Beginn der Hilfe eine „Rechtefibel“ mit Informationen zu seinen Rechten und externen Beschwerdemöglichkeiten zur Verfügung gestellt und besprochen. Dies ist auch Teil der ersten Hilfeplankonferenz.
Je nach Angebotsform werden die Möglichkeiten zu Beschwerdemöglichkeiten und Partizipation individuell ausdifferenziert.
Die Pflege und Fortschreibung einer transparenten und für Kritik und Anregungen offenen Einrichtungskultur ist für uns die Basis eines lebendigen Umgangs mit Beschwerden und Partizipation.

Zielgruppe

  • Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Auffälligkeiten nicht der gruppenorientierten Erziehung zuzuordnen sind und eine Intensivbetreuung benötigen
  • Jugendliche, für die alternativ zur Jugendstrafe / -arrest Jugendhilfe greifen kann
  • Jugendliche und Erwachsene, die aufgrund ihrer Behinderung Anspruch auf eine Eingliederungshilfe haben
  • Jugendliche in besonderen Lebenslagen (z.B. unbegleitete minderjährige Flüchtlinge)

Aufnahmealter

  • ohne Altersbeschränkung

Qualitätssicherung

  • Fortschreibung der Konzeption
  • Leistungsvereinbarung
  • Qualitätsentwicklungsvereinbarung
  • Qualitätsdialog mit dem örtlichen Jugendamt und dem Landschaftsverband Rheinland
  • Qualitätsdialog mit anderen Einrichtungen der Jugend- und Eingliederungshilfe
  • Gewährleistung von Dienst- und Fachaufsicht
  • Gewährleistung gültiger Standards (LVR/A.I.M.)
  • Externe Supervision
  • Organisationsberatung
  • Gremienarbeit

Betriebserlaubnis nach SGB VIII, erteilt durch die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe, das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt und durch das Hessische Sozialministerium (Landesjugendämter) und eine Leistungsvereinbarung mit dem Landschaftsverband Rheinland nach SGB XII für ambulante Leistungen der Eingliederungshilfe (Dezernat 7, Soziales und Integration)

Kosten

Gestaffelte Tageskostensätze oder Fachleistungsstunden analog den Entgeltvereinbarungen und Leistungsbeschreibungen.

Das Stammhaus Breitbendenstraße

Moderne Kommunikationstechnik sichert eine Erreichbarkeit in Notfällen auch rund um die Uhr. Unser Büro bietet Räumlichkeiten für die Verwaltung, für Besprechungen, Teamsitzungen, Schulungen und Gruppenangebote. Darüber hinaus dient das Büro als Anlauf- und Beratungsstelle für Hilfesuchende. Das Projekt Schulhinführung verfügt über eigene Räumlichkeiten in der Nachbarschaft (Büro, Küche, Unterrichtsräume mit technischer Ausstattung und Möglichkeiten für künstlerische Arbeitsangebote). Die Kommunikation und Organisation der stationären und flexiblen Hilfe läuft hier zusammen. Individuelle Lösungen und der konkrete Hilfeansatz werden durch Fachpersonal im Leitungsteam ermittelt und auf den Weg gebracht. Externe Supervision und Organisationsberatung unterstützt die Weiterentwicklung der Angebot. Neben der Möglichkeit für Notaufnahmen verfügt das Stammhaus über eine Trainingswohnung.

Das Projekt zur Schulhinführung unseres Kooperationspartners Kaspar-Xchange verfügt über eigene Räumlichkeiten im innerstädtischen Bereich (Büro, Küche, Unterrichtsräume, Werksatt, Veranstaltungsraum mit technischer Ausstattung und Möglichkeiten für künstlerische Arbeitsangebote).